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Kapitel 13 von 29

Angeln und Jagd

Wir machten uns zum Winterangeln an den Karaketken-See auf, der mit dem Zug fünf Stunden südlich von Tjuratam lag. Die Gesellschaft bestand aus Männern ungefähr gleichen Alters und mit einer ähnlich ausgeprägten Neigung zum Alkohol. Über die Bedeutung dieses Umstands muss man ehrlicherweise ein paar Worte verlieren. Nach meinen Erfahrungen mit Picknicks und gemeinsamen Angelausflügen bleiben die angenehmsten Erinnerungen an Erholung in der Natur bei einigermaßen ausgeglichenen Gruppen zurück, in denen keine hemmungslosen Säufer dabei sind …

Gegen Mitternacht stiegen wir in einen Zug, der dort eigentlich nicht hielt, vermutlich den Taschkenter. Der Abteilwagen war drückend warm geheizt. Der Schaffner, ein älterer Kasache oder Usbeke, nahm von jedem einen Rubel, führte uns in ein Abteil mit einem schlafenden dicken Mann und versprach, uns vor Karaketken zu wecken. Wir richteten uns ein, zogen die Oberkleidung aus, erzählten Witze und machten uns über den Schnarcher lustig. Er schnarchte nicht einfach, er schrie geradezu im Schnarchen. Schließlich wurden wir ruhig und schliefen ein. Wir erwachten vom gellenden Ruf des Schaffners: „Karaketken! Karaketken!!“

Doch der Zug nahm bereits Fahrt auf. Laut Fahrplan hatte er an diesem kleinen Haltepunkt ganze zwei Minuten gestanden. Wir rafften Angelzeug und Kleidung zusammen und sprangen bei beträchtlicher Geschwindigkeit hinaus in die Nacht. Der letzte Wagen rumpelte davon, und wir blieben allein mit der tiefen dunklen Nacht und dem Schneetreiben. Wir versteckten uns hinter der einsamen Streckenwärterbude; andere Gebäude waren nicht zu sehen. Erst dort hinter der Bude merkte ich, dass ich keine Mütze mehr aufhatte. Schöne Bescherung … Sie war mit dem Schnarcher nach Taschkent gefahren. Rasch zog ich mich aus, nahm das hellblaue Unterhemd ab, zog mich wieder an und wickelte mir diese lange Unterhose nach Frauenart um den Kopf, wie ein Franzose an der Beresina oder ein Deutscher in Stalingrad. Wir warteten auf den Morgen und machten uns auf die Suche nach Seen mit Barschen. Wir fanden sie. Die Seen waren sehr schön, von geringem Durchmesser, stets von Schilf umgeben und mit vollkommen klarem, schneefreiem Eis bedeckt. Sie waren höchstens zwei Meter tief. Die Fische bissen miserabel. Man legte sich aufs Eis und sah, wie die Gestreiften den Köder dicht umringten, aber keiner kam näher als 10 cm heran. Sie starrten den Köder stumpf an, griffen jedoch nicht an. Was sollten wir tun? Wir tranken im Windschutz des Schilfs ein wenig Spiritus und gingen zu unserem Haltepunkt zurück, um einen vorbeifahrenden Zug in die richtige Richtung anzuhalten. Neugierigen erklärte ich meine Maskerade damit, dass ich die Mütze gegen Fisch eingetauscht hätte.


Ein paarmal gingen Sascha Perschukow und ich etwa drei Kilometer flussabwärts von Leninsk an der Syrdarja auf Entenjagd. Die Ufer der Darja bestanden bei uns aus niedrigen, bis zu 4 Meter hohen, steilen Lehm- und Sandabbrüchen, auf denen spärliches Gras und kleine Saxaulbüsche wuchsen. In einer kleinen Höhle hatte Sascha eine ziemlich große, mit Draht aus Schilf geflochtene Matte versteckt. Wir schleppten sie auf eine winzige Insel von etwa sechs Metern Durchmesser, stellten sie ringförmig auf und setzten uns in diesem Versteck auf mitgebrachte Beschlagkisten, nachdem wir im seichten Wasser ungefähr fünf Gummilockenten ausgesetzt hatten. Von oben waren wir nicht gedeckt, doch das störte die arglosen Vögel überhaupt nicht, und die Enten ließen sich fast sofort bei unseren Attrappen nieder. Wir schossen und liefen abwechselnd zu dem rund fünfzig Meter weiter flussabwärts zurückgelassenen Gummi-„Boot“, einem ZIL-Schlauch mit angeklebtem Boden, um die Beute einzusammeln. Die Strömung war stark, und ein angeschossener Vogel versuchte natürlich zu entkommen. Da begann der eigentliche Spaß. Der Schlauch war rund, als Ruder dienten Tischtennisschläger. Zum einfachen Vorankommen ging es noch, sobald man sich daran gewöhnt hatte. Aber in einem solchen Gefährt den Gewehrlauf zu schwenken war aussichtslos. Bewegte man die Läufe nach rechts, drehte sich das „Boot“ um genau denselben Winkel nach links und umgekehrt … Beim Zielen verdrehte ich meinen Körper ein paarmal um 180 Grad, vielleicht sogar noch weiter. Furchtbar! Besonders flinke angeschossene Enten mussten wir aufgeben, sonst wäre man noch bis zum Aralsee getrieben.

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